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Leseprobe

Die bunten Hühner

Der Hühnerdieb

Der Hühnerdieb Morgentau bedeckt die Felder und Wiesen rings um die kleine Stadt Mondheim. Die Tiere in den Wäldern schlafen um diese Zeit noch. Und auch auf den Wiesen und Feldern sieht man niemanden herumlaufen. In den Straßen von Mondheim dagegen hört man hin und wieder das Brummen eines Autos. Einige Bewohner sind auf dem Weg zur Arbeit in die Großstadt. Weiter draußen auf den Bauerhöfen herrscht allerdings noch absolute Ruhe. Nur bei einem Bauer macht sich jemand um diese frühe Zeit bereits an die Arbeit. Ein Geselle, der sein Tagwerk beginnt? Nein, unser Frühaufsteher hat etwas anderes im Sinn. Sein Augenmerk gilt den Hühnerställen auf den Bauerhöfen. Wie wir schon vermuten, unser Geselle ist ein Hühnerdieb. Und darin ist er sehr „fleißig“. Jeden Tag stiehlt er mindestens ein Huhn. Ist er ein Feinschmecker? Oh nein, weit gefehlt. Unser Hühnerdieb hat ganz andere Vorstellungen.

Heute Morgen ist es wieder so weit. Unser Hühnerdieb pirscht sich an den Hühnerstall von Bauer Erwin Schlingel ran. Im Hühnerstall scheint alles zu schlafen. Ob der Hofhund Milli einen leichten Schlaf hat, wird sich gleich zeigen. Langsam nähert sich der Hühnerdieb dem Eingang. In geduckter Haltung drückt er sich nun durch die Klappe, um in den Hühnerstall zu kommen. Ein leises Gackern empfängt ihn, doch das ist mehr ein träumendes Gegacker aus den Reihen der schlafenden Hühner. Sie sitzen auf ihren Stangen und bereiten sich in aller Ruhe darauf vor, in Kürze ein paar Eier zu legen. Das ist ihre Aufgabe hier auf dem Bauernhof. Jeden Morgen kommt die Bäuerin, um die Eier der Hühner abzuholen. Zweimal in der Woche kann man auf dem Markt in Mondheim diese frischen Eier von glücklichen Hühnern kaufen. Doch soweit ist es am heutigen Morgen ja noch nicht.

Mit einem kurzen Griff in den Nacken schnappt sich der Dieb das erstbeste Huhn, das er erreichen kann. Der arme Vogel weiß gar nicht, wie ihm geschieht, so schnell geht das. Darin ist unser Dieb wirklich perfekt. Und Milli, der Wachhund auf dem Hof von Bauer Schlingel, schläft den Schlaf der Gerechten. Von all dem bekommt er nicht das Geringste mit. Ist das ein Zeichen für einen guten Schlaf? Oder mehr ein Zeichen dafür, dass der Dieb sehr geschickt ist? Wie dem auch sei, der Hühnerdieb hat Erfolg. Mit seiner Beute schleicht er sich nun wieder hinaus. Vorbei an der Hundehütte, in der Milli friedlich schlummert, geht es hinaus auf die Felder. Schon bald sieht unser Huhn den Bauernhof nur noch aus der Ferne.

Bertha und Erwin Schlingel

Kikeriki, Kikeriki! Überall hörte man die Hähne den Morgen begrüßen. So auch bei Bauer Erwin Schlingel. Bäuerin Bertha Schlingel steht wie jeden Morgen noch vor den Hühnern auf. Der erste Weg führt sie in den Kuhstall, die Kühe warten schon auf sie. Wenn Bertha danach das Frühstück vorbereitet, liegt Erwin Schlingel noch in seinem warmen Bett. Erst der Geruch von frischem Kaffee und besonders leckere Frühstückseier wecken dann bei ihm die Lebensgeister. So geht auch heute Morgen Bertha in den Hühnerstall, um frische Eier zu holen. Nur, an diesem Morgen hallt ein Schrei aus dem Hühnerstall, der Bauer Schlingel richtig hochschrecken lässt. Fast hätte er sich an dem dicken Balken über dem Bett den Kopf gestoßen. Was ist passiert? Bertha kommt ganz aufgeregt aus dem Hühnerstall gelaufen, fast wären ihr noch die frischen Eier auf den Boden gefallen.

„Was ist los, Bertha“, ruft Erwin aus dem Schlafzimmer.
„Ein Huhn fehlt, Erwin. Stell dir vor, man hat uns ein Huhn gestohlen.“
„Bei deinem Geschrei habe ich gedacht, der Habicht hätte alle geholt“, brummt Erwin.
„In der Gegend schleicht sich ein Hühnerdieb herum. Bei Knöttermanns und bei Selma Morgentau sind auch schon Hühner gestohlen worden.“
„Hat der Hund denn nicht angeschlagen?“
„Ich habe nichts gehört“, antwortet die Bäuerin.

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